Das Mietkosten Paradoxon in der Schweiz

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Das Mietkosten Paradoxon in der Schweiz

Wer in der BWL etwas bewandert ist, der weiß, dass Märkte nach Angebot und Nachfrage funktionieren und sich dadurch immer sinnvolle Preise bilden. Doch in der Schweiz kommt es aktuell zu der paradoxen Situation, dass viele Wohnungen leerstehen, die Mieten aber kein bisschen sinken. Zumindest nicht, wenn man im Internet schaut. Wie kann das sein? Wir sehen uns die Situation etwas genauer an.

Kein Mietsenkung trotz Leerstand in der Schweiz?

Die Bürger sind etwas verwundert. Der Immobilienmarkt in der Schweiz ist angespannt, gute Wohnungen sind kaum zu bekommen. Auf der anderen Seite vermelden die Statistiken, dass zehntausende von Immobilien ungenutzt vor sich herdümpeln. Diese Entwicklung speist sich aus einer Reihe verschiedener Faktoren. Wer sie kennt, der versteht warum es völlig normal ist, was passiert und welche Vorteile sich für Mieter ergeben.

Zuallererst muss man festhalten, dass die Lage nicht überall gleich ist. Zum Beispiel sind die Immobilien in Schaffhausen nicht ganz so drastisch von den Preisentwicklungen betroffen, wie die großen Metropolen des Landes. Durch massive Zuzüge hat sich dort das Wohnangebot drastisch verknappt. Leerstandsquoten in Zürich, Genf oder ähnlichen Lagen tendieren nahezu gegen Null.

Heißt also, dass die vielen ungenutzten Immobilien an Orten stehen, wo sich sich die Einwohnerzahlen nicht so entwickelt haben, wie einst erhofft. Wie heißt es immer in diesem Geschäft: Lage, Lage, Lage!

Ein anderer Faktor ist, dass es in manchen Regionen einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen dem Angebotspreis und der Miete, die dann tatsächlich gezahlt wird. Denn in den Internet-Portalen wird immer der Preis ausgeschrieben, den der Vermieter im Idealfall haben möchte. Würde er dort einen niedrigeren ausweisen, um Leerstand zu vermeiden, könnte es passieren, dass bisherige Mieter das sehen und dann ebenfalls auf eine Mietsenkung drängen.

Zudem gehören große Gebäudekomplexe meist einer Investmentgesellschaft. Sie haben die Gebäude in ihren Büchern mit einem bestimmten Wert bilanziert. Würde sich herausstellen, dass die zugrunde gelegten Mieten nicht realisierbar sind, würde eine sofortige Wertabschreibung notwendig werden, welche von Aktionären und Geldgebern nicht gerne gesehen wird. Aus diesem Grund kommt es dazu, dass die Vermieter über kleine Extras eine indirekte Preissenkung hinnehmen.

Für interessierte Mieter bietet sich hier ein kleines Druckmittel, um zu handeln. Eine Senkung der Miete wird nicht immer machbar sein. Was aber durchaus möglich ist, das sind Zusatzleistungen, wie zum Beispiel ein kostenloser Parkplatz in der Tiefgarage, der Einbau einer Küche auf Kosten des Eigentümers und vieles mehr.

Einen Leestand zu verfolgen ist nicht sonderlich schwer. Wenn Sie ein Objekt besichtigen, dann können Sie an den Klingelschildern sehen, ob dort alle Wohnungen belegt sind. Natürlich könnte man diese fälschen und beliebige Namen dort ausschreiben. Sie können aber auch den Makler ganz beiläufig fragen, ob in dem Haus noch eine kleinere oder größere Wohnung frei ist. Oder eine in einem höheren oder niedrigeren Stockwerk usw. Dann kommen Sie der Wahrheit etwas näher und müssen nicht den Preis bezahlen, der im Internet ausgeschrieben ist.